Dombaumeister –
Architekt Julius Carl Raschdorff

Julius Carl Raschdorff wurde am 2. Juli 1823 in einer katholischen Familie im oberschlesischen Pleß (heute Pszczyna) geboren. Nach dem Abitur entschied er sich zunächst für eine Ausbildung zum Feldmesser in Oppeln, begann dann 1844 ein Studium an der Bauakademie Berlin, das er 1853 mit dem Titel „Baumeister“ abschloss. Ein Jahr später erhielt er den Ruf als Stadtbaumeister nach Köln.

In den folgenden zwei Jahrzehnten widmete er sich der Pflege der Kölner Kirchen, wie St. Gereon, St. Maria Lyskirchen und St. Andreas, die er im Stile der Zeit romanisierte. Raschdorff verantwortete auch Umbau und Erweiterung des mittelalterlichen Gürzenich sowie des Rathauses, die zum Teil mit bedeutenden Eingriffen in die historische Bausubstanz verbunden waren. In der Folge wandte er sich mehr und mehr der Neorenaissance zu.
Zu den Neubauten dieser Zeit gehört das Apostelgymnasium, das 1860 eingeweiht wurde, das unter der Leitung von Josef Felten 1861 vollendete Wallraf-Richartz-Museum und das 1872 fertiggestellte Stadttheater.

In einer kurzen Phase als freier Architekt entwarf er das „Ständehaus“ (Landtagsgebäude) in Düsseldorf. Neben seinem Hauptwerk, dem Neubau des Berliner Doms 1894-1905, schuf Raschdorff mit der Neuen Evangelischen Kirche in Langenberg/Rheinld. (1877), der englischen Kirche im Monbijoupark in Berlin (1884/85) sowie dem Mausoleum für Kaiser Friedrich III. neben der Friedenskirche Potsdam (1888-1890) weitere Sakralbauten.

1878 ging Raschdorff nach Berlin, wo er zum Professor für Baukunst an der Technischen Hochschule Charlottenburg ernannt worden war. Gemeinsam mit Richard Lucae und Friedrich Hitzig errichtete er zwischen 1878 und 1884 den Neubau dieser Einrichtung, wo auf seine Initiative hin das Architekturmuseum als bedeutende umfangreiche Sammlung von Bauzeichnungen und Modellen entstand. Als bei den Studenten äußerst beliebter Professor unterrichtete Raschdorff mehr als dreißig Jahre wöchentlich 12 Stunden „Baukunst der Renaissance. Entwurf von Hochbauten“. Er verstand den von ihm gepflegten Historismus als einen internationalen Stil, der sich gegen die Enge der Berliner Schule richtete.

Seit 1880 hat Raschdorff an Planungen für einen Dombau am Berliner Lustgarten gearbeitet. Aus dieser Entwurfsphase stammt die berühmte Ostansicht des damals noch von drei Kuppeln bekrönten Doms und dem mit einem hohen Turm versehenen und über eine Brücke angebundenen Schlosses. Eine Kopie dieser Ostansicht hängt heute im Dom - Museum, die erhaltenen Originalzeichnungen aus der Erbauungszeit sind Bestandteil des Domarchivs. Nach zahlreichen überarbeitungen legte Raschdorff 1891 den Entwurf, der schließlich zur Ausführung kam, vor.
Kaiser Wilhelm II., der das Dombau - Projekt von seinem Vater Friedrich III. „geerbt“ hatte, gab die entscheidenden Impulse zur Umsetzung.

Am 17. Juni 1894 kam es zur Grundsteinlegung. Nach elf Jahren Bauzeit wurde der Berliner Dom am 17. Februar 1905, dem Hochzeitstag des Kaiserpaares, feierlich eingeweiht.

Julius Carl Raschdorff starb am 13. August 1914, sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II in der Liesenstraße.

Gez. Pillep/Hopf, 01. Juli 2014